Bahnhofsplatz Ulm

Beschränkter Realisierungswettbewerb
Wettbewerbsbeitrag
in Zusammenarbeit mit Markus Vogl, Marc Remshardt & Georg Falkenhahn

31150-GrueneWelle-Bahnhofsplatz-Ulm-Lageplan

Konzept
Durch eine Entflechtung der Verkehrsströme und die Verlegung von Infrastrukturen in die Tiefgarage, wird es möglich den Verkehrsknotenpunkt Bahnhofsplatz räumlich als Platz erlebbar zu machen. Ein Belagsteppich spannt sich zwischen Hauptbahnhof und Sedelhöfen über die Friedrich-Ebert-Straße hinweg, um den Platz in seiner Ganzheit lesbar zu machen. Die Erschließung von Passage und Tiefgarage sind als Durchdringungen in den Platzbelag eingelassen und erzeugen keine räumlichen Aufbauten. Zwei leichte, ruhige Überdachungen markieren in vornehmer Zurückhaltung die Haltestelle, sorgen jedoch mit ihrer länglichen Stringenz für eine starke Raumstruktur entlang der motorisierten Hauptverkehrsströme. Vegetationsinseln mit Baumgruppen geben dem Platz Halt nach Norden und Süden und sorgen für Aufenthaltsqualität sowie menschlichen Maßstab. Die Setzungen simulieren die Raumkonfiguration des Bahnhofsplatzes vor den Luftangriffen des zweiten Weltkrieges zurück.


Platzgestaltung
Der Bahnhofsplatz soll einen Farbasphaltteppich mit warmer Tönung erhalten, der zum Teil geschliffen wird um ein Kreismuster zu generieren und einen terrazzoartigen Effekt zu erzielen. Mit einer hellen Kaltplastikbeschichtung wird ein grafisches Punktmuster auf den Belag appliziert. Durch diese einfache und kostengünstige Technologie gelingt es auf spielerische Weise die Verkehrsströme zu organisieren und gestalterisch die Verkehrssicherheit aller Teilnehmer zu erhöhen. Das Spiel mit den Punkten integriert nötige Zonierungen und Markierungen von Radwegen, Sicherheitsabständen, taktilem Leitsystem, Aufmerksamkeitsfeldern. Zudem unterstützt es eine intuitive Orientierung und Besucherführung.
Zentrale raumbildende Elemente auf dem Platz sind die Pflanzinseln mit ihren Baumgruppen. Mehrstämmige Japanische Schnurbäume erzeugen ein ausladendes, doch lichtes Laubwerk über dem Platz. Die Aufkantungen der Ringe schenken Wurzelraum für die Gehölze und sind gleichzeitig als umlaufenden Sitzkanten gestaltet. Das elegante Querprofil der Betonfertigteile ist aus hellem Werkstein gefertigt und variiert mit seiner Form zwischen Liege, Sitzbank mit Rückenstütze sowie Blockstufen mit erhöhter Hockerbank. Es entstehen trotz der Exposition und der hohen Frequenz auf dem Bahnhofsplatz geborgene Zonen mit Aufenthaltsqualität, geschützt von Hektik und Lärm der Straße.


Verkehrsströme
Die Haltestellen-Überdachungen gliedern den breiten Verkehrsraum der Friedrich-Ebert-Straße und der ÖPNV-Trassen in geordnete, schmale Streifen. Der durchgängige Platzbelag verleiht dem Raum die Qualität eines Shared Space. Die breiten Borde zeichnen den Verlauf der Fahrbahnen nach und dienen ihrer optischen Markierung. Das Spiel der Punktemuster zoniert die Platzfläche und trägt zu einer Sensibilisierung und sicheren Führung der Verkehrsteilnehmer bei. Eine geschickte Anordnung der Pflanzinseln auf dem Platz ermöglicht eine integrative, selbstverständliche Führung des Radweges über den Platz und eine Minimierung des Konfliktpotenzials mit anderen Verkehrsteilnehmern. Ein farbiges Punktmuster integriert Radwegmarkierungen in die grafische Gestaltung und geleitet zur Fahrradgarage im Süden des Platzes.

Architektur
Die Architektur auf der Platzfläche reduziert sich auf die beiden langgestreckten, schwebenden Haltestellenüberdachungen sowie städtebaulich platzierte Baumgruppen. Die Erschließung von Passage und Tiefgarage sind als Durchdringungen in den Platzbelag eingelassen und bilden, abgesehen von den Aufzügen, keine räumlichen Aufbauten auf der Platzfläche. Dadurch entfalten die verbleibenden Elemente eine umso größere Stärke und Klarheit. Die Haltestellenüberdachungen leben von der Kraft ihrer Länge. Als elegante, nach außen verjüngte Flügel spannen sie sich über die Breite der Bahnsteige. Die weiße Optik der matten Aluminiumprofiltafel-Verkleidung unterstützt die Leichtigkeit ihrer Erscheinung. Angelagert an den Bahnhofsteg findet sich der Standort des Bahnhofsprovisoriums für die Bauphase des City-Bahnhofes. Hier am neuen Busbahnhof ist eine reibungslose Abwicklung der Besucherströme auch während der Bauarbeiten am Bahnhof ohne weiteres möglich.

Fahrradgarage
Im Dienste der funktionalen und gestalterischen Qualität des Bahnhofsplatzes befreit sich der Entwurf von den Zwängen einer Fahrradrampe und Fahrradgarage im nördlichen Teil der Tiefgarage. Stattdessen findet die Fahrradgarage Platz im südlichen Teil, als zusätzliches Geschoss zwischen der Ebene 0 und -1, ohne in die Grundrisse der Tiefgarage einzugreifen. Die Erschließung erfolgt über eine gewendelte Fahrradrampe, die gleichzeitig den von West-Ulm kommenden Bahnhofsteg für Radfahrer anbindet. Die Neukonzeption der Radgarage mit über 800 Stellplätzen macht oberirdische Abstellanlagen überflüssig und sorgt für eine konsequente, gebündelte Organisation der Fahrradstellplätze. Von Norden kommend gelangt man über die Passage bzw. den Erschließungskern der Tiefgarage direkt in die Fahrradgarage.