Neugestaltung Ortsmitte Nufringen

nichtoffener Ideen- und Realisierungswettbewerb
1. Preis
in Zusammenarbeit mit UA Urban Architecture
www.urban-architecture.com

Konzept
Die örtliche Qualität Nufringens liegt in der Gelassenheit der dörflichen Gebäude- und Freiraumstruktur: Die ungezwunge, lockere Stellung der Gebäude, ehemalig landwirtschaftlich genutzte Scheunen, Reste von Streuobstbeständen auf unbebauten Parzellen, Grundstücks-Mäuerchen und liebliche Vorgärten…
In der Ortsmitte hat ein Bruch mit den gewachsenen Dorfstrukturen stattgefunden und daher finden sich hier auch gestalterisch-räumliche Defizite. Der Entwurf für die Neugestaltung der Ortsmitte Nufringen zielt darauf ab, der Ortsmitte mehr Selbstverständlichkeit, Unaufgeregtheit und Unkompliziertheit zu verleihen. Durch Vereinfachung und Reduktion soll der Ortskern an räumlicher Kraft gewinnen. Elemente mit starkem Identifikationswert wie Altes/ Neues Rathaus, Marktplatz, Pfarrhaus oder Kirche/ Kirchmauer sollen freigestellt werden und dadurch in ihrer Wirkung und Bedeutung für das Dorf gewinnen. Das behutsame Einfügen von wenigen neuen Elementen wie die Natursteinmauer, das Baumdach und das neue Bürgerhaus erzeugen neue Qualitäten und Anziehungskraft. Durch den homogenen Pflasterbelag verschmelzen die bisher getrennten Räume zur Einheit der Neuen Ortsmitte Nufringens.

Ortsmitte
Die Ortsmitte Nufringen setzt sich zusammen aus mehreren Teilräumen, die durch das vorliegende Konzept zu einer ablesbaren Gesamtheit verknüpft und verschmolzen werden. Ein durchgängiger Pflasterbelag aus Werkstein verleiht Ortsdurchfahrt, Marktplatz, Kirchplatz und Kirch- und Pfarrgarten eine Einheit. Im Bereich der Ortsmitte ist der Asphaltbelag der Ortsdurchfahrt beschichtet, so dass eine optische Durchgängigkeit des Belags entsteht. Im Norden fängt eine Baumreihe Nelken-Kirschen den Raum, darunter sind die Längsparkplätze angeordnet. Nach Süden öffnet sich der Raum auf den Marktplatz der, befreit von seiner derzeitigen Übermöblierung, an Grosszügigkeit gewinnt.
Als dörfliches Gestaltungselement zoniert eine Naturstein-Sitzmauer den Marktplatz zum Strassenraum und verarbeitet gleichzeitig den Höhenunterschied. Unter der Dorflinde bieten Sitzauflagen Aufenthaltsmöglichkeiten und es wird passende dörfliche Atmosphäre geschaffen für die Aussenbewirtung von Hotel Lamm und der Bäckerei Noller. Der Kirchplatz erhält ein Baumdach, unter dem die Parkierung geordnet und „aufgeräumt“ wird. So bleibt der Blick auf das historische Pfarrhaus frei und die Kirchmauer wird freigestellt. Pfarrgarten, Stauden- und Rosenpflanzungen entlang der Kirchmauer verleihen dörflichen Charme.
Das neue Bürgerhaus mit seinen öffentlichen Nutzungen und die gute fusslaeufige Anbindung der S-Bahn-Station erzeugen Leben und Frequenz in der Neuen Mitte Nufringens. Das neue Bürgerhaus unterstützt mit den öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss, der Bibliothek und dem Lesecafe die Lebendigkeit des Kirchplatzes. Grosszügige, öffenbare Verglasungen verbinden die Innenräume mit dem Kirchplatz und sorgen für eine offene, helle, freundliche und einladende Atmosphäre. Im Sommer wird der Kirchplatz für die Aussenbewirtung des Lesecafes genutzt. Das Lesecafe kann und soll für kleine Veranstaltungen genutzt werden. Die Erscheinung, Materialität und Höhenentwicklung des Bürgerhauses sind an den dörflichen Charakter der Aussenräume angepasst. Die Kubatur erscheint vertraut und zitiert die vorhandenen Scheunen im Dorf. Natürliche Materialien, Holzfassade und Tonschindeln als Dachdeckung unterstützen diese Wirkung. Die Veranstaltungsräume sind im Obergeschoss untergebracht und können bei Bedarf komplett bespielt werden. Die notwendigen Stellplätze für die Bücherei und den Veranstaltungsräumen sind in der neuen Tiefgarage untergebracht die mit den vorhandenen TG’s des Rathauses und der Dorfmitte zu einer Grossgarage verbunden. Dadurch wird die Auslastung der gesamten Tiefgaragen stark verbessert. Die Überdeckung von einem Meter über der erweiterten Tiefgarage erlaubt die Pflanzung des Baumdachs. Fünf Wohnungen im Dachgeschoss mit Balkonen sorgen für eine weitere Belebung in der Neuen Ortsmitte Nufringens.

Ortsdurchfahrt
Eine gleichmässige Rhythmik von Baumpflanzungen markiert und qualifiziert die beiden wichtigsten Fuss- und Verkehrsachsen durch Nufringen. Die strassenbegleitenden Baumreihen aus Nelken-Kirschen entlehnen sich den Streuobstbeständen der Ortschaft. Sie erzeugen Durchgänigkeit in der heterogenen Baustruktur und verleihen dem Verkehrsraum menschlichen Massstab bzw. Gestaltungsqualität. Die Fahrbahnbreite von 5.50m erlaubt den Begegnungsverkehr von Grossfahrzeugen, doch schafft genügend Raum für einseitig Längsparkplätze und beidseitige Gehwege. Durch die Verkehrsberuhigung und die Zonierung mittels unterschiedlicher Belagsoberflächen genügt entlang der Fahrbahn ein Schrägbordstein von fünf Zentimeter Höhe. Auf den Gehwegen zieht sich der Pflasterbelag der Ortsmitte durch Nufringen und verknüpft an die Neue Mitte. Im Bereich der Längsparkplätze wird mit Sicker- bzw. Rasenfugen für einen sensiblen Umgang mit dem Wasserhaushalt gesorgt. In den äusseren Bereichen der Ortsdurchfahrt ersetzen Wildstaudenpflanzungen die Längsparkplätze und heissen den Besucher Nufringens herzlich Willkommen. Die Rhythmisierung der Pflanzungen ermöglicht eine Berücksichtigung der örtlichen Anforderungen für die Erschliessung von Privatgrundstücken und Ausfahrten. Sowohl im Bereich der Ortsmitte als auch im Bereich von Einmündungen auf die Ortsdurchfahrt wird der Asphaltbelag der Fahrbahnen mit einer Beschichtung auf Epoxidharzbasis belegt. Dies dient als Aufmerksamkeitsfelder für den motorisierten Verkehr und erzielt eine optische Durchgänigkeit des Pflasterbelages.