Bogenviertel Bietigheim-Bissingen

Städtebaulich-freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb 2018
Preisgruppe
in Zusammenarbeit mit noma architekten, Bietigheim-Bissingen
www.noma-architekten.de

 

Der Entwurf baut auf die vorhandenen Potenziale des Areals auf. Insbesondere die industrielle Geschichte des Areals spielt für viele Bürger Bietigheims weiterhin eine wichtige Rolle für die Identität des Areals. Durch den gleichzeitigen Erhalt und die Neudeutung von industrie-geschichtlichen Elementen soll die Geschichte des Areals nicht nur konserviert werden, sondern als Ausgangspunkt für das Arbeiten 4.0 verstanden werden.

Das Hochregallager wird zum ‘SpielRaum’, einem Experimentierfeld für Wohnen und Arbeiten der Zukunft, in dem die lokale und regionale Wirtschaft, Studenten und Anwohner des Areals zusammenkommen. Der ‘Spielraum’ wird durch einen Start-Up Campus um das historische Verwaltungsgebäude im Norden und einer FH für Regenerative Energien und e-Mobility im Süden komplementiert.

​Die Vielzahl der Typologien fördert eine Durchmischung des Quartiers und ermöglicht unterschiedliche Bauträger-Modelle. Die Atelier- und Gemeinschaftshäuser sind sowohl von Baugruppen als auch von privaten Bauträgern entwickelbar, wohingegen die Punkthäuser und die Firmenwohnungen auf dem Start-Up Campus auch für größere Investoren von Interesse sind. Im ‘SpielRaum’ sind öffentlich und privat geförderte Wohnexperimente denkbar, welche die zukünftige Entwicklung im Quartier mit beeinflussen sollen.

 

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit nimmt das vorhandene Potential auf und entwickelt es entsprechend der heutigen Anforderungen weiter. Insbesondere das Zusammenspiel von Wohnen, Arbeiten und Ausbildung ist dem Verfasser ein wichtiges Anliegen.
Rund um einen Start-Up-Campus, einen Hochschulstandort und einen mittig gelegenen Spielraum gruppieren sich blockartig verschiedene Wohntypologien mit integrierten und angrenzenden Flächen für Dienstleistung und Gewerbe, wodurch eine hervorragende Verbindung von Wohnen und Arbeiten geschaffen wird.

Die besondere Idee des Verfassers ist der zentrale SpielRaum, entwickelt aus einem bestehenden Hochregallager, der dem Marketing und als Experimentierfeld dienen soll. Langfristig ist ein
Rückbau des SpielRaums und Umwandlung in eine andere Nutzung denkbar. Der zentrale Quartiersplatz mit Wasserspiel schafft eine attraktive Aufenthalts- und Kommunikationsfläche. Der Eingang ins Quartier vom Bahnhof wird von einem unsymmetrischen Hochhauspaar markiert und ist ein Blickfang am Stadteingang, dessen Wirtschaftlichkeit im weiteren Planungsprozess nachzuweisen ist.

Der Übergang zum Bahnhofsvorplatz ist leider nur indirekt möglich. Ein weiterer Zugang zum Quartier besteht an der Wilhelmstraße. Konsequent schlägt der Verfasser eine Umgestaltung des dortigen Parkplatzes vor.

Für die Radfahrer ist eine attraktive Verbindung durch die neue Grünfläche zum Bahnhof geplant. Die Verkehrserschließung erfolgt sowohl von Süden als auch von Norden. Sie endet jeweils in einem als „moility hub“ bezeichnetem Parkhaus. Die Fußwege um die Wohngebäude sind verhältnismäßig lang. Dies ist vom Verfasser aber auch ausdrücklich so gewollt. Zusätzlich wird eine Anliegerstraße durch das Gebiet vorgeschlagen.

Der Lärmschutz soll durch eine Lärmschutzwand entlang der Bahn und durch Abstand gewährleistet werden. Ungeschickt sind damit jedoch die Nutzungen der oberen Geschosse der einzelnstehenden Gebäude sowie auch die Gebäude in der zweiten Reihe.

Der Entwurf stellt neben dem städtebaulichen Konzept vor allem auch eine interessante Idee für die prozesshafte Entwicklung des gesamten Areals dar.

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