Fußgängerbrücke Baunach

Einladungswettbewerb für den Neubau einer Fußgängerbrücke neben der historischen Baunachbrücke in Baunach
2. Preis
in Zusammenarbeit mit arch22 | bogenrieder crumbach kugel Architekten Partnerschaft & str.ucture GmbH, Stuttgart
www.arch22.de
www.str-ucture.com

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Die Gestaltung des neuen Fussgängerstegs, erinnert in seiner Silhoutte an die Steuerstäbe eines Flosses oder Stocherkahns, der ursprünglichsten Form der Fortbewegung in flachen Gewässern. Im gewählten Abstand von 3,50m tritt er in seiner Gestalt und seinen Elementen bewusst zurückhaltend und respektvoll auf, ohne jedoch gänzlich auf Eigenständigkeit zu verzichten. Die Brückenwiederlager sind von der Uferkante deutlich zurückgerückt um die Sicht auf dem Bestand freizugeben.

Trotz der wenigen, einfach gehaltenen Bauteile, die nicht zuletzt wichtige Grundlage für eine wirtschaftliche Ausführung hinsichtlich Herstellung, Montage und Wartung darstellen, ergibt sich eine Konstruktion, die gleichermaßen gestalterisch unkonventionell wie statisch sinnvoll ist. Stützen im Fließschatten der Pfeiler verringern die Spannweiten des Decks auf ein Kleinstmaß und ermöglichen eine filigrane Bauweise. Das mit reflektierenden Farbbestandteilen gestrichene Deck, das mit einer Ansichtskante von nur ca. 20 cm sehr schlank wirkt, und das mit einer leichten Gradiente von max. ca. 3% in Längsrichtung der Geometrie der Bestandsbrücke folgt, garantiert einen guten Regenwasserablauf bei leichter und barrierefreier Überwindung.

Der Übergang der bereits bestehenden Wege auf die Brücke wird jeweils durch einen kleinen Baumplatz eingeleitet – eine auch im Belag sichtbare, „entschleunigte“ Trennung von Fuß- und Radverkehr und attraktiver Auftakt um über den Steg zu flanieren oder zu verweilen. Die transparent gehaltene Brüstung, aus filigranen Pfosten in ca. 1,50m Abstand und einer Füllung aus vernietetem Edelstahlgewebe, erlaubt dabei den ungehinderten Blick auf die historische Brücke und in die Auen der Baunach – auch für die kleinsten Flaneure. Der Oberbelag der Brücke aus Gussasphalt mit rutschhemmender, aufgehellter Einstreuung gewährleistet technisch, visuell und haptisch eine fussgängergerechte-, geräuschgedämpfte- und langlebige Ausführung. Die funktionale und atmosphärische Ausleuchtung der Brücke erfolgt schließlich durch formal vollintegrierte LED Systeme, die in der formgleichen Verlängerung der Stützen, in flexibel platzierbaren Auslässen und mit sehr präzise konfigurierter Linsentechnik ausgestattet sind. Diese exakte Steuerung ist notwendig und hilfreich, um einerseits die notwendige Ausleuchtung des Gehweges, die bewusste Inszenierung der historischen Bogenbrücke und nicht zuletzt des nahen Umfeldes als Auftakt zu gewährleisten, andererseits aber die sog. Lichtverschmutzung so gering wie möglich zu halten, um die Störung der Fauna zu vermeiden. Die inzwischen auch mit LED Systemen erreichbaren Lichtfarbqualitäten garantieren dabei eine stimmungsvolle Adaption. Geringe Wartungskosten durch die lange Lebenszeit der Systeme bei extrem geringem Stromverbrauch (ca. 0,7 kW/h für Steg UND Beleuchtung der historischen Brücke) tragen zudem dem Selbstverständnis von ressourcenschonendem Bauen bei.

Der durch die Baumaßnahmen beeinträchtigte Auwaldstreifen am Ufer wird wiederhergestellt und renaturiert. Durch eine weiche, zurückverlagerte Modellierung der Böschung gewinnt die Braunach an Retentionsvolumen, was die Hochwassergefahr senkt. Links und rechts der Brücke begrenzen die Ufergehölze das Sichtfeld, wenn man sich der Brücke nähert. Sobald man die Brücke betritt hingegen öffnet sich der Flussraum nach links und rechts und der Blick wird freigegeben auf das Wasser, die uferbegleitenden Staudenfluren und mit etwas Glück einen Wasservogel oder schwebende Libellen. Unweit am Ufer, liegt ein Holz-deck wie angeschwemmtes Treibholz im Schilf und läd zur Rast ein. Von hier aus geblickt, erinnern die Stäbe der Brücke auch an die Schilfwedel am Wasser.

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