Öffentliche Freiräume Innenstadt Tettnang

nicht offener Ideen- und Realisierungswettbewerb
Wettbewerbsbeitrag
in Zusammenarbeit mit ISA Stadtbauatelier Stuttgart
www.stadtbauatelier.de

Übergeordnetes Konzept
Die Tettnanger Innenstadt ist in ihren einzelnen Bereichen stark von den unterschiedlichen Entstehungszeiten bzw. Überformungszeiten geprägt: Barock und historische Bebauung dominiert den Norden und Westen um Schloss und Montfortstraße, eine typische Vorstadtbebauung des 19. Jahrhunderts und der Nachkriegszeit den Süd-Osten um die Karlstraße. Dazwischen liegt der stark von den Gebäuderückseiten und Garagenzufahrten geprägte Bereich um die Grabengasse. Unterstützt wird die Individualität der einzelnen Bereiche durch die verschiedenen zeittypischen Gestaltungen der öffentlichen Räume im Laufe der letzten Jahrzehnte.
Ziel des Entwurfs ist, die jeweils eigenen Qualitäten und Charaktere der Bereiche herauszuarbeiten und diese durch sensibel gesetzte Verbindungselemente zu verknüpfen. Montfortstraße und Karlstraße sollen sich dabei komplementär ergänzen: auf der einen Seite die gediegene historisch-barocke Kulisse, auf der anderen Seite die modernere, jüngere und dynamischere Vorstadt um die Karlstraße.
Verknüpft werden die beiden unterschiedlichen „Welten“ durch den Bärenplatz, die neu gestaltete Schlosspromenade und den Bereich um die Grabenstraße, der als Neue Grüne Mitte die Freiraumqualitäten des Schlossparks ins Innerste der Innenstadt bringt.

Lichkonzept
Die Beleuchtung der Altstadt soll weitgehend über Fassadenbeleuchtungen hergestellt werden, um die besondere Kulisse der Altstadtbauten bei Nacht erlebbar zu machen. Besondere Gebäude wie beispielsweise das Rathaus, das Amtshaus oder das Torschloss können durch speziell abgestimmte Akzentuierung zusätzlich betont werden.
In der Schlosspromenade werden vor allem die geschnittenen Bäume sowie die diese Spange fortsetzenden Wachthäuser durch das Licht hervorgehoben. Die Schlosspromenade bildet den Übergang in den eher ruhigen und dunklen Schlossgarten, der als dunkle Kulisse die Wirkung des angestrahlten Schlosses steigert.
Die Karlstraße wird durch einseitig platzierte Mastleuchten beleuchtet, die im Bereich zwischen den beiden Gassen auf die andere Seite verspringen und so ebenfalls dazu beitragen, dass die strenge Linearität der Straße durch eine spannungsvolle Disbalance aufgelockert wird. Zusätzlich zu den Mastleuchten werden im modularen Freiraumband durch gezielte Akzentbeleuchtungen einzelne Lichtinseln geschaffen (beisppielsweise in den Hopfenlauben).
Die Grüne Mitte wird korrespondierend mit der Belagsgestaltung durch Lichtpunkten ausgeleuchtet, die über Spotlights an Lichtmasten erzeugtwerden; zusätzlich werden auch hier gezielt Lichtinseln geschaffen, zur Inszenierung der Gartenräume.

„Historische Stadt“: barock
Es entspricht dem Konzept, die Unterschiedlichkeit der Bereiche nicht durch einen neuen einheitlichen Bodenbelag zu egalisieren, sondern stattdessen den bestehenden Porphyr-Bodenbelag um die Montfortstraße zu erhalten. Der rötliche Stein mag manchem heute etwas altmodisch erscheinen, doch er gibt den Straßen und Gassen des im Norden einen eigenen Charakter und stellt zudem eine eigene Zeitschicht der Stadtgeschichte dar, die respektiert werden sollte. Aus diesem Grund sollen hier vor allem Defizite behoben und Stellen ausgebessert werden. Zudem sollen einige Details vereinfacht werden, um dem Raum einen etwas ruhigeren und geordneteren Charakter zu geben.
Der Montfortplatz bekommt durch ein Baumdach, unter dem die Parkplätze angeordnet sind, eine kräftigere räumliche Fassung, so dass ein dem Rathaus zugeordneter Vorplatz entsteht. Dieser wird durch Hecken und eine anderen Bodenbelag zusätzlich betont, um die Wirkung des Barockbaus zu unterstreichen.
Als wichtiges Element wird die Schlossstraße zur Schlosspromenade aufgewertet: Die derzeit durch Buschwerk behinderte Sicht auf den Schlosspark und in die Landschaft wird geöffnet, und die barocke Schlossanlage erhält ein großzügiges, mit geschnittenen Bäume gestaltetes Entree, das das Profil Tettnangs als barocke Perle hervorhebt.

„Neustadt“: Innovativ und dynamisch
Anders als die Altstadtbereiche wird die Karlstraße komplett neu gestaltet. Zentrales Gliederungselement ist ein beidseitig der Fahrbahn angeordneter, durch einen entsprechenden Pflasterbelag definierter zwei Meter breiter Bereich. Dieser nimmt auf der einen Seite das Parken auf, auf der anderen Seite das „modulare Freiraumband“, das verschiedenste Funktionen aufnehmen kann: Gastronomie, Freibereiche mit Sitzmöbeln, Pflanzkübel, Infosäulen, Fahrradstellplätze etc. (Auf Blatt 3 wird das Band ausführlicher beschrieben).
Durch das Konzentrieren dieser Funktionen auf einen präzise abgegrenzten Streifen ist es trotz des recht schmalen Straßenquerschnitts möglich, Aufenthalts- und Erlebnisqualität in dem Straßenraum zu schaffen.
Im Bereich zwischen Neugasse und Küfergasse sind keine Parkplätze vorgesehen, deshalb kann hier auf der Westseite das Streifenmuster im Belag entfallen. Zudem wird hier die im Norden und Süden der Karlstraße asphaltierte Fahrbahn gepflastert, so dass die Mitte der Straße als großzügiger Bereich hervorgehoben ist und die Zugänge zu den beiden Gassen betont werden.

Grüne Mitte
Durch die beiden Gassen gelangt man zu dem Bereich um die Grabenstraße, der derzeit von Gebäuderückseiten und Garagenzufahrten, aber auch von Gärten, Grün und Ruhe geprägt ist. Letzterer Charakter soll durch das Konzept unterstützt werden. Es werden einige kleinere Grünflächen und Gartenelemente angelegt, um diesen Bereich zur Grünen Mitte und als Trittstein zwischen Altstadt und Karlstraße aufzuwerten. Die Grüne Mitte ist auch als Fortsetzung der barocken Parkanlage zu verstehen, was durch eine moderne Interpretation barocker Ornamente als Beschichtung des ansonsten einfach und kostengünstig als Asphalt gehaltenen Bodenbelags unterstrichen wird.

Modulares Freiraumband
Das Freiraumband ist als modulares und flexibles System angelegt. Auf beiden Seiten der Straße ist durch ein Streifenmuster im Bodenbelag ein zwei Meter breiter Streifen ausgewiesen, der entweder für parkende Autos oder für Nutzungen des Freiraumbandes verwendet werden kann. Das Freiraumband kann also flexibel von einer Seite auf die andere verspringen und auf die – teils sicher auch wechselnden – Anforderungen und Bedürfnisse der jeweiligen Erdgeschossnutzungen reagieren (wobei die Anordnung gestaltet werden sollte und beispielsweise immer nur wechselseitig auf der einen oder anderen Seite angeordnet sein sollte).
Als Nutzungen des Freiraumbands sind die oben schon erwähnten Pflanzenkübel, Sitzgelegenheiten, Fahrradstellplätze, Bushaltestelle oder Plattformen zur Aussenbestuhlung für Gastronomie vorgesehen. Die Module geben dabei den individuellen Möblierungen einen einheitlichen Rahmen, auch der Sonnenschutz kann integriert werden. Eine Besonderheit sind die „Hopfenlauben“, die diese typische Tettnanger Pflanze in den Stadtraum integrieren, wahlweise als Schattenspender oder zur Abschirmung.

 

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