Rosenstein Stuttgart – Ideen für einen neuen Stadtteil

Internationaler offener städtebaulicher Wettbewerb
Rosenstein – Ideen für den neuen Stadtteil, Stuttgart
3. Preis
Auftraggeber: Stadt Stuttgart
Fläche / Bauvolumen: 90 ha / 5.600 Wohnungen
Programm: Konzeption und Freiraumplanung für einen neuen Stadtteil, Wohn- und Lebensraum für ca. 14.000 Einwohner
Zeitraum: 2019
in Zusammenarbeit mit
ARS Herrmann + Hornung GmbH, Architekten und Stadtplaner Stuttgart
Wolfram Gothe, Architektur & Zeichnung Architekturzeichnungen, München
Béla Berec Architektur-Modellbau-Gestaltung, Stuttgart
BrennerPlan GmbH, Planungsgesellschaft für Stadt, Umwelt und Verkehr, Stuttgart
Mark Blaschitz, Sarah Behrens & Ina Westheiden, Reallabor Space Sharing, Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
www.architekten-ars.de
www.architektur-zeichnung.de
www.berec.eu
www.brennerplan.de
www.spacesharingblog.info

Der Kessel öffntet sich
So politisch umstritten Stuttgart 21 auch sein mag, so groß sind seine Potenziale für die Stadtentwicklung Stuttgarts. Die Kernstadt, mit der Königstraße als Rückgrat, endete bislang am Hauptbahnhof. Nun befreit sich Stuttgart aus dem Kessel. Die Königstraße findet ihre Fortsetzung in einer urbanen Park-Esplanade, die sich über Philharmonie und Haus der Kulturen fortsetzt ins neue Rosensteinquartier und von dort über den historischen Gleisbogen als Flanier- und Radweg an die Wagenhallen bzw. bis nach Feuerbach.

Bespielung Schlossgarten
Die neu hinzugewonnenen Parkflächen im Mittleren Schlossgarten bieten weitläufige, multifunktionale Wiesen, die Raum bieten für allerlei temporäre Open Air Veranstaltungen. Die Flächen an der Esplanade nehmen den Nutzungsdruck vom überstrapazierten Schoßplatz und sollen Konzerten, Events, Veranstaltungen, Zelten, temporäre Eislaufbahnen etc. Raum geben.

Stadtlabor
Das Wagenhallenareal ist ein hochdynamisches, lebendiges Labor für die Neuinterpretation und Neuverhandlung des öffentlichen Stadtraums. Die informelle, temporäre „Container City – Kulturschutzgebiet Wagenhalle“ wurde mit einem Städtebaupreis hoch dekoriert. Dieses transformative Kulturbiotop soll in seiner heutigen Funktion erhalten bleiben und mit seiner hohen Verdichtung der öffentlichen Nutzungen in das neue Quartier ausstrahlen. Die neuen Siedlungen sind als Kreativquartier, produktive Stadt und studentischen Wohnangeboten im Kontext der des Kulturzentrums gedacht. Der Vorplatz der Wagenhallen soll als Stadtlabor auch weiterhin mit Urban Gardening, fliegenden Bauten, Ateliercontainern und künstlerischen Interventionen bespielt werden. Das kulturelle Zentrum Wagenhallen mit seien Veranstaltungen, Ateliers, Workshops, Events, Festen und Potentialräumen sind das Herzstück und Pulsschlag des Areals.

Esplanade
Der reizvolle Kontrast, zwischen dem hoch verdichteten Europaviertel und dem weitläufigen Landschafspark Schossgarten, wird inszeniert und bespielt mit einer breiten, urbanen Esplanade. Sie verläuft ca. 3 m erhaben über dem Park und wird von einer rhythmisierten Doppelreihe Linden überstellt. Zum Schlossgarten laden Sitzstufen und Rasenböschungen zu Verweil und Genuss ein, mit einer Raumqualität und Kulisse die sich nach lauen Sommerabenden sehnen.

Landschaftsfugen
Die Landschaftsfuge zwischen Philharmonie und Haus der Kulturen inszeniert die Hangkante am Ende der Nordbahnhofstraße. Der Blick öffnet sich ins Tal und auf den Gegenhang Stuttgart Ost mit Fernsehturm und Uhlandshöhe. Eine Terrassierung mit Sitzkanten und Hangwegen gestaltet und aktiviert diese stadträumlich Grünverbindung. Im gleichen Duktus sind auch die anderen Landschaftsfugen konzipiert, die den Quartiersinnenraum des Rosensteinviertels mit dem Rosensteinpark verzahnen und Beziehungen in Richtung des Stuttgarter Ostens herstellen.

Sportpark
Den nördlichen Abschluss des Rosensteinquartiers und den Übergang in den Rosensteinpark bildet ein Sportpark, mit mehreren Sportplätzen und Spielfeldern. Im Kontext mit dem Schulcampus und der alten Lokhalle werden Synergieeffekte erzielt und Lärmimmissionen ins Quartier minimiert.

Grünblaue Infrastruktur – Stuttgarter Sumpf
Die neu dazu gewonnenen Parkflächen im Rosenstein und Schlossgarten werden nicht nur als Parkanlagen mit Nutzwert angelegt, sondern werden als grünblaue Infrastruktur für den Stadtmetabolismus Stuttgarts entworfen. Leitmotiv für die Entwicklung der Parkergänzungen jenseits der Platanenallee, ist der sinnfällige, landschafsräumliche Urzustand eines vernässten Talbodens. Zur Regenwasserbewirtschaftung der neu entwickelten Siedlungen und Quartiere tritt an die Stelle eines verdolten Nesenbachs, ein vernetztes System von oberflächlichen Rigolen, Retentionsflächen, Wasserläufen und Wasserkörpern. Das System integriert und verknüpft die bereits vorhandenen Wasserflächen in ein Gewässersystem zur Retention, Reinigung und Infiltration des gesamten, anfallenden Niederschlagswassers.

Stadtbiotope / Stadtökologie
Durch die Strategie der naturnahen, oberflächlichen Regenwasserbewirtschaftung entstehen zahlreiche, hochwertige und standortgerechte Stadtbiotope mit hoher Biodiversität. Neben den aquatischen Lebensräumen der Wasserkörpern selbst, entstehen zahlreiche Uferzonen, Feuchtwiesen, Schilf- und Staudenfluren für semiaquatische Insekten, Amphibien und Vögel.
Die Stadtbiotope bieten eine zusätzliche Freiraum- und Erlebnisqualität, die bislang in Stuttgart kaum erlebbar ist. Die Biotopflächen werden in das Freiraum- und Wegenetz der Parkanlage integriert und erschlossen und mit hoher Aufenthaltsqualität für die Stadtgesellschaft erfahrbar gemacht. Es entstehen ökologische Ausgleichsflächen mit hohem didaktischen und ökosystemarem Wert.

Gleisbogen / Radschnellweg
Der ehemalige Gleisbogen wird als Panoramastrecke für Fußgänger und Radfahrer umgenutzt. Ein Radschnellweg vernetzt Wagenhallenareal, Nordbahnhofviertel und Rosensteinquartier auf schnellstem und direktem Wege mit Hauptbahnhof und den Kernstadtbereichen. Als Highline führt der Flanierweg auf dem alten Bahndamm über ehemalige Bahnbrücken und rampt sich bei der zentralen Raumsequenz zwischen altem und neuem Quartier hinab auf den Stadtboden.

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